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Ringvorlesung


Gender Studies meets Human-Animal Studies

16 APRIL - 09 JULI 2019



Die interdisziplinäre und intersektionale Ringvorlesung Gender Studies meets Human-Animal Studies bringt zwei Forschungsfelder zusammen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie gesellschaftspolitische Fragestellungen mit akademischer Forschung verbinden. An 13 Terminen werden Wissenschaftler*innen aus der Anthropologie, der Biologie, den Kultur-, Kommunikations-, Kunst- Literatur-, Geschichts-, Rechts- und Sozialwissenschaften Fragen nach Geschlechterverhältnissen mit Mensch-Tier-Verhältnissen verknüpfen.


Anhand verschiedener disziplinärer Zugänge und methodischer Ansätze wird untersucht, wie sich innermenschliche Ungleichheitsverhältnisse und Herrschaftsverhältnisse in der Mensch-Tier-Beziehung wechselseitig legitimieren. Als Grundlage dieser Legitimierung kann die hierarchisch konstruierte Dualität von Animalität und Menschlichkeit in der Theorietradition des globalen Nordens betrachtet werden. Diese ist wiederum mit den Dualitäten Natur und Kultur, weiblich und männlich, schwarz und weiß, abwesend und anwesend usw. eng verbunden. So wird Animalität historisch und aktuell zumeist – jedoch nicht ausschließlich – mit Frauen oder Schwarzen Männern assoziiert, deren diskursive Animalisierung stets auch in materieller Hinsicht Auswirkungen zeitigt(e). Welche Züge eine solche Verbindung annehmen kann, macht beispielsweise Lynn Turner deutlich, welche die „wilde Frau“ und deren Domestizierung in Horrorfilmen in Zusammenhang mit Derridas Konzept des Karnophallogozentrismus untersucht.


Neben einem Zugang, der auf Dualismen fokussiert, verbinden viele der Referierenden die beiden Kategorien Gender und Spezies auch anhand einer Erweiterung von Intersektionalitätskonzepten. Dabei geht es zum Beispiel darum, intrahumane Unterdrückungsverhältnisse wie Sexismus und Rassismus mit Speziesismus in Verbindung zu setzen, wie dies Erika Cudworth anhand ökofeministischer Zugänge oder Kadri Aavik durch das Aufzeigen von Solidarisierungsbestrebungen zwischen der Frauenbewegung, der Tierrechtsbewegung und der Bewegungen von Menschen mit Behinderung unternehmen.


Ein weiterer Teil der Vorträge verbindet Mensch-Tier-Verhältnisse und Queer Studies insofern als dass Fragen nach Sexualität/sexueller Orientierung im Zentrum stehen. So diskutiert beispielsweise Volker Sommer, inwiefern die „Entdeckung“ tierlicher Homosexualität Auswirkungen auf menschliche ethische Konzepte haben sollte, während Marianna Szczygielska die Popularität queerer Zootiere analysiert und die Wechselwirkungen zwischen deren verstärkter Sichtbarkeit und der Erfolge der Homosexuellenbewegung beleuchtet.


Die Zusammenführung von Gender und Spezies eröffnet neue Perspektiven, ist aber auch Gegenstand von spezifischen Herausforderungen und analytischen Problemen. Diese Chancen und Herausforderungen sollen in der Ringvorlesung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und anhand innovativer Herangehensweisen erörtert werden, wie sie sich zum Beispiel durch künstlerische Forschung und/oder posthumanistische Theorien eröffnen.


Die Ringvorlesung ist eine Kooperationsveranstaltung des Zentrums für transdiziplinäre Geschlechterstudien und des Instituts für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universiät zu Berlin. Sie wird organisiert von Helen Keller, Jenny Kasten und Carolin Eirich.



Empfohlene Literatur:


Adams, Carol J./Donovan, Josephine (1995): Women and Animals. Theoretical Explorations. Durham and London: Duke University Press.
Adams, Carol J. (2000): The Sexual Politics of Meat. A Feminist-Vegetarian Critical Theory. Bloomsbury. 10. Auflage, New York: Continuum.
Alaimo, Stacy/Hekman, Susan (Hg.)(2008): Material Feminisms. Bloomington: Indiana University Press.
Baghemihl, Bruce (1998): Biological Exuberance: Animal Homosexuality and Natural Diversity. New York City: Saint Martin's Press.
Birke, Lynda (1994): Feminism, Animals and Science. The Naming of the Shrew.
Chimaira AK (2011): Human-Animal Studies. Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen. Bielefeld: transcript.
Claire, Kim (2015): Dangerous Crossings. Race, Species and Nature in a Multicultural Age. Cambridge: Cambridge University Press.
Cudworth, Erika (2005): Developing Ecofeminist Theory. The Complexity of Difference. London: Palgrave.
Harper, Amy Breeze (2010): Sistah Vegan. Black Female Vegans speak on Food, Identity, Health, and Society. Herndon: Lantern Books
Hypatia. A Journal of Feminist Philosophy.. Volume 27 (3): Animal Others.
Kompatscher, Gabriela/Spannring, Reingard/Schachinger, Karin (2017): Human-Animal Studies. Eine Einführung für Studierende und Lehrende. Stuttgart: UTB
Sommer, Volker (1990): Wider die Natur? Homosexualität und Evolution. München: C.H. Beck.





Ringvorlesung/ Lecture Series

Gender Studies meets Human-Animal Studies

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