07.05.2019 Jan Christoph Suntrup



07.05.2019 PD Dr. Jan Christoph Suntrup


„Crossing Through the Symbolic Door of the Person...“ – Die Rechtsperson und ihr Anderes als Gegenstand politischer Kämpfe und kultureller Vorstellungen


Link to YouTube-Video: https://youtu.be/UvhgNl7mhfE

 


Abstract:


Der kulturkomparative Blick auf Konzepte der Rechtsperson bietet sich nicht nur an, weil er einen normativen Fundamentalbereich verschiedener Rechtskulturen ausleuchten kann, sondern weil er Aufschlüsse über essentielle Eigenarten der Rechtsorganisation verspricht, so wie Subjektivität, Zurechnung und Autorschaft. Zumindest das „moderne“ Recht kommt ohne ein spezifisches Personenverständnis nicht aus, da es rechtliche Operationen auf Akteure zurechnen muss. Aber gerade in der Entscheidung, was eine Rechtsperson oder ein Rechtssubjekt (mit bestimmten Pflichten und Ansprüchen) ausmacht, kommen sensible sozio-kulturelle Vorstellungen und Machteffekte zum Ausdruck.


Das Recht unterscheidet zwischen natürlichen und rechtlichen Personen, wobei es sich in beiden Fällen um juristische Konstruktionen handelt. Dass dabei „hinter der physischen Person der Mensch“ stehe, wie es bei Gustav Radbruch heißt, belegen weder die Rechtsgeschichte (mit dem Kuriosum der Tierprozesse) noch aktuelle Debatten über Tierrechte, in denen angeregt wird, Tieren als Personen bestimmte subjektive Rechte zuzusprechen. Abgesehen von diesen Ambitionen, die Gruppe der als Person anerkannten Rechtssubjekte auszuweiten (bis hin zu einer Ausstattung der Natur mit subjektiven Rechten in Lateinamerika), zeigen Geschichte und Gegenwart aber vor allem das Ringen darum, welche Menschen als Personen anzuerkennen wären.


Die Exklusionsliste ist hierbei mit Frauen, Sklaven, Juden etc. sehr lang, wobei insbesondere der feministische Kampf um Anerkennung und die Kritik an einer spezifischen Fassung des Rechtspersonenkonzepts im Vortrag adressiert werden. Menschen, die vom Recht nicht als Person anerkannt werden, zählen meist als Ding; aber es lässt sich auch argumentieren, dass das Recht systematisch auf der Kreation von abnormen Unpersonen des Rechts (Bestien, Monster etc.) beruht, um der Figur rational-individueller Zurechnung Sinn zu verleihen.



Bio:


Jan Christoph Suntrup studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Heidelberg und Lille. Seit seiner Promotion 2010 an der LMU München arbeitet er, zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Wissen-schaftlicher Koordinator und derzeit als Assoziierter Wissenschaftler, am Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“ der Universität Bonn, an der 2017 habilitiert wurde („Umkämpftes Recht. Zur mehrdimensionalen Analyse rechtskultureller Konflikte durch die politische Kulturforschung“, Frankfurt am Main: Klostermann 2018). Zudem lehrt Suntrup – seit 2017 als Privatdozent – seit vielen Jahren am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Zurzeit forscht er als Visiting Senior Fellow am European Institute der London School of Economics and Political Science.

Seine Forschungsschwerpunke liegen im Bereich der politischen und rechtlichen Theorie und Ideengeschichte sowie der kulturwissenschaftlichen Analyse von Politik und Recht. Derzeit arbeitet er an einem Buchprojekt zur Theorie, Praxis und Symbolik des Ausnahmezustands und der Notstandspolitik.