09.07.2019 Smilla Ebeling



09.07.2019 Dr. Smilla Ebeling


Pinguine, Löwen & Co. Geschlechtergeschichten im Zoo


Abstract:


„‚Katzen-Tag: Kinder Hüten und Abendessen besorgen […] Kater-Tag: Schönheitsschlaf und Überblick behalten“ – so ist es am Löwengehege im Erlebnis Zoo Hannover zu lesen. Als Freizeit- und Bildungseinrichtungen vermitteln Zoologische Gärten nicht nur zoologische Wissensbestände über die von ihnen ausgestellten Tiere. Sie tragen auf komplexe Weise dazu bei, Geschlecht (und andere soziale Differenzkategorien) in der Gesellschaft mit auszuhandeln.


In meinem Vortrag greife ich das Konzept des ‚Thinking with Animals‘ (Daston & Mitman 2005) auf und beleuchte anhand ausgewählter Beispiele, wie Tierausstellungen in Zoologischen Gärten für heteronormative und seit einigen Jahren auch für queere Geschlechterpolitiken nutzbar gemacht werden. Zum Beispiel kritisierten Lesben- und Schwulenverbände 2005 im Rahmen einer internationalen Mediendebatte die "Zwangsheterosexualisierung“ von „schwulen Pinguinen“ im Zoo am Meer in Bremerhaven. Angesichts seiner naturalisierenden Dimension ist jedoch zu diskutieren, ob und wie das äußerst wirkmächtige ‚Thinking with Animals‘ als eine queere Strategie genutzt werden kann.



Bio:


Smilla Ebeling ist Biologin und promovierte Wissenschaftsforscherin. Ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in den Feminist Science Studies, Animal Studies und der Museumsforschung. Sie lebt gern mit Katzen zusammen und ist seit guten 20 Jahren in verschiedenen Positionen an (internationalen) Universitäten tätig, z.B. als Juniorprofessorin für Gender, Biotechnologien und Gesellschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Projekt Gendering MINT digital – Open Science aktiv gestalten am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (HU Berlin) und in dem Projekt Alltagsphantasien von Jugendlichen zur Genom Editierung in der Didaktik der gesellschaftswissenschaftlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer (Universität Hamburg).